3. April 2020

News

Sechs Vorschläge, um durch die Krise zu kommen

Die Coronakrise hat uns fest im Griff. Dass sich an den Sperrmaßnahmen in Deutschland vor dem 20. April etwas ändert, hat die Bundesregierung ausgeschlossen. Das am 25. März verabschiedete 156 Milliarden Euro schwere Hilfspaket soll nun die schlimmsten wirtschaftlichen Folgen abfedern. 50 Milliarden Euro sind für Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige vorgesehen. Trotzdem bleibt die Situation für viele Kreative in der ganzen Welt angespannt. Wir präsentieren sechs Vorschläge aus der Designwelt, um wohlbehalten durch die Krise zu kommen.



 

Ballo Stoffmaske

ballo.co.za

 

Das südafrikanische Slow-Fashion-Label Ballo musste sein Geschäft im Zuge der staatlich verordneten Sperre schließen. Für das zehnköpfige Unternehmen folgen daraus bedeutende Einnahmeverluste. Um sich trotz allem in der Krisenzeit über Wasser zu halten und in Anbetracht des hohen Bedarfs an Schutzmasken, die in den Augen von Ballo einen gewissen „Vibe“ vermissen lassen, entschieden sie sich für die Produktion handgemachter Stoff-Schutzmasken im schmuckvollen Design. Zwar ist Ballo vor allem bekannt für seine Sonnenbrillen aus wiederverwertetem Holz, zeichnet sich aber ebenso durch seine Modelinie aus, für die das Label konsequent mit lokalen und/oder nachhaltigen Herstellern von Hanf-, Leinen- und Baumwollstoffen zusammenarbeitet, um lokale Arbeitsplätze zu schaffen.



 

Ayzit Bostan Face Scarf

ayzitbostan.com

 

Auch die Modedesignerin Ayzit Bostan hat sich in ihrem Münchner Studio mit der grassierenden Corona-Pandemie auseinandergesetzt. Entstanden ist eine Gesichtsmaske, die einen ästhetischen Bogen zur Spanischen Grippe schlägt. Vor fast genau 100 Jahren traf die tödliche Pandemie eine vom Weltkrieg geschwächte Bevölkerung und breitete sich von den Schlachtfeldern Westeuropas über die ganze Welt aus. Zwischen 1918 und 1920 starben mehr als 50 Millionen Menschen. Hohe Übertragungs- und Todesraten zwangen die Menschen auch damals sich in der Öffentlichkeit mit Gesichtsmasken zu schützen. Bostans Entwurf ist inspiriert von Schutztüchern, wie sie zu dieser Zeit getragen wurden und schon damals Mode und Funktion verbanden.



 

Support Your Local Dealer

supportyourlocaldealer.org

 

Die Idee hinter Support Your Local Dealer ist, wie so oft bei guten Ideen, denkbar einfach. Auf der gleichnamigen Webseite können sich Kreative, Kleinunternehmen oder andere Projekte melden, die sich durch die Eindämmungsmaßnahmen vor besondere finanzielle Schwierigkeiten gestellt sehen, und können hier Unterstützung anfordern. Wer sie unterstützen möchte, kann auf der Seite das Support-Your-Local-Dealer-T-Shirt für 30 Euro erwerben und mit diesem die Botschaft der Solidarität in 78 Sprachen in die Welt hinaustragen. 15 Euro je T-Shirt gehen an die Unterstützten, 10 Euro kosten Produktion und Organisation, 5 Euro der Versand. Die T-Shirts werden in Europa produziert und in Berlin bedruckt.



 

#AlleFürAlle

deutschland-gegen-corona.org

 

Die Content-Marketing-Agentur Fischer Appelt hat für die Initiative „Deutschland gegen Corona“ die visuelle Gestaltung übernommen. Unter dem Hashtag #allefüralle wirbt die Initiative für ein konsequentes Abstandhalten um Mitmenschen zu schützen. Die Agentur hat 16 frei verfügbare Motive gestaltet, um sie im Netz zu verbreiten. Die liebevoll gestalteten Grafiken plädieren außerdem dafür, andere beim Einkaufen zu unterstützen, nicht auf Halde zu kaufen und keine Falschnachrichten weiterzuleiten. Das unaufgeregte Design verbreitet Zuversicht und vermeidet den moralischen Zeigefinger. Zusätzlich gibt es zwölf gute Tipps für das Leben in der häuslichen Quarantäne, zum Beispiel mal wieder beim Lieferservice bestellen.

 

 

Klopapier – Gestaltung für den Arsch

juligudehus.net

 

Juli Gudehus hat einigen krisengebeutelten Bürger*innen etwas voraus: Sie sammelt Klopapier bereits seit Ende der 1990er-Jahre. In ihrer Videoreihe „Gestaltung für den Arsch“ führt die Grafikdesignerin durch ihr Archiv von Klopapier-Blättern aus aller Welt, die feinsäuberlich in Klarsichtfolie, sortiert nach Kategorien (Bären, Delfine, Fehldrucke etc.), in Ringordnern lagern („Ordner stellen, nicht legen, sonst werden die Prägungen plattgequetscht“). So skurril das Projekt erscheinen mag, einen tieferen und unterhaltsameren Einblick in die Gestaltung dieses Gebrauchsgegenstands, dessen Bedeutung häufig übersehen, aber gerade in der Krise deutlich wird, bekommt man nirgendwo sonst. Wenn Sie mehr über die gestalterischen Wege erfahren wollen, die das Klopapier von der Rolle mit fester Blattzahl seit seiner Erfindung durch Hans Klenk, Gründer der Hakle GmbH in Ludwigsburg 1928, eingeschlagen hat, und welche Alternativen es zum in Europa verbreiteten Din-A6-Format gibt, sollten Sie sich die tägliche Videoreihe nicht entgehen lassen.

 

 

Sashiko Workshop @ Home

textielmuseum.nl

instagram.com/sashikodenim

 

Sashiko ist eine alte japanische Sticktechnik, die in der Edo-Zeit (1603–1868) dem praktischen Nutzen diente, beschädigte Stoffe zu reparieren. Anders als bei herkömmlichen Flicktechniken entstehen beim Sashiko kunstvolle dekorative Stickmuster. Das Textiel Museum im niederländischen Tilburg hat seine Türen zwar vorerst noch bis zum 1. Juni 2020 geschlossen, bietet aber nun per Youtube einen Sashiko-Kurs gratis an. Im siebenminütigen Video führt die auf Denimstoffe spezialisierte Sashiko-Künstlerin Pey vor, wie sich mit einfachsten Mitteln und etwas Fingerspitzengefühl alten Jeansteilen mit dekorativen Highlights neues Leben einhauchen lässt.

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